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Wie kann man den Erwerb einer Fremdsprache erleichtern ?


Um die Grundlagen der Psychodramaturgie besser verstehen zu können, kann es nützlich sein, zuerst den Verlauf eines Kurses zu lesen:



Die Merkmale der Psychodramaturgie


Die PSYCHODRAMATURGIE LINGUISTIQUE (P.D.L.) wird seit 1977 von Dr. Bernard Dufeu, Universität Mainz, in Zusammenarbeit mit Marie Dufeu, Centre de Psychodramaturgie Mainz, entwickelt. Ihre theoretischen Grundlagen und ihre Praxis werden seitdem ständig erweitert und vertieft.

Die Psychodramaturgie verdankt ihren Namen dem Psychodrama und der Dramaturgie, von denen sie einige Erkenntnisse und Verfahren übernommen hat, die den Spracherwerb fördern, und die dem Fremdsprachenunterricht angepasst wurden. Es wird weder Psychodrama noch Theater in der PDL durchgeführt.


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Anwendungsbereiche


Die Anwendungsbereiche der Psychodramaturgie haben sich im Laufe der letzten zehn Jahre erweitert:

Ursprünglich wurde sie für Erwachsene konzipiert, sie wird heute immer öfter bei Kursen für Kinder und Jugendliche eingesetzt (im extensiven Unterricht und im Rahmen von Projektwochen).

Die Psychodramaturgie wurde in den ersten Jahren ihrer Entwicklung vor allem in Gruppen benutzt, heute werden ihre Techniken und Verfahren auch im Einzelunterricht erfolgreich angewandt.


Anwendungsbedingungen


Die Psychodramaturgie ist nicht nur als Gesamtansatz entwickelt worden, sondern sie soll auch dazu beitragen, das Angebot im Fremdsprachenunterricht allgemein zu verbessern. Aufgrund dieser beiden Ziele bietet sie zwei Anwendungsmöglichkeiten:


no data In ihrer Grundausführung wird die Psychodramaturgie als einheitliches Unterrichtskonzept benutzt. Dazu werden Intensivkurse (zwischen drei und sechs Stunden pro Tag) über eine oder mehrere Wochen oder an Wochenenden empfohlen. Die ideale Gruppengröße liegt in der ersten Intensivwoche zwischen 8 und 12 Personen (einige Trainerinnen arbeiten mit größeren Gruppen). Die PDL kann mit einer Trainerin oder in einem Zweierteam angewandt werden.


no data Eine punktuelle Anwendung von PDL-Übungen und Verfahren ist in anderen Unterrichtskontexten (Extensivkurse, größere Gruppen) möglich. Sie können zum Beispiel einen Unterricht bereichern, der mit einem Lehrwerk durchgeführt wird. Auf dieser Weise erweitern Sprachlehrer ihre pädagogische Praxis mit Unterrichtsformen, die ihre Teilnehmer gezielt ansprechen und zudem die Möglichkeit bieten, die Fremdsprache auf eine lebendige und effiziente Weise zu vermitteln.


Verfahren für alle Sprachniveaus


Die Psychodramaturgie bietet eine kohärente Praxis an, die es ermöglicht, die Teilnehmer vom ersten Einstieg in die Fremdsprache bis zu einem fortgeschrittenen Kenntnisstand zu begleiten. Sie stellt eine breite Auswahl von Übungen und Techniken zur Verfügung, die dem jeweiligen Niveau der Teilnehmer und der Entwicklung der Gruppe angepasst sind. Sie beruht außerdem auf theoretischen Grundlagen, die ihrer Praxis einen Zusammenhalt geben und den Trainerinnen erlauben, gezielt und effektiv zu arbeiten.
Für jedes Niveau - vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen - bietet die Psychodramaturgie angemessene Verfahren, die in einer flexiblen Progression eingebettet sind.


no data Anfänger verfügen im Allgemeinen nach etwa vier bis sechs Wochen Intensivkurs, über eine Ausdrucksfähigkeit und Kommunikations-strategien, mit denen sie alltägliche Situationen sprachlich bewältigen können.


Für Fortgeschrittene werden zwei Orientierungen angeboten:


no data eine allgemeine Orientierung für die Teilnehmer, die ihre Allgemeinkenntnisse in der Fremdsprache erweitern und vertiefen möchten, so dass sie besser kommunizieren oder die Presse oder Literatur der Zielsprache lesen können.


no data eine spezifische Orientierung für die Teilnehmer, die präzise berufliche Situationen beherrschen möchten. Bei Teilnehmern mit guten Grundkenntnissen der Fremdsprache wird eine spezifische Kompetenz in der Fachsprache zur Beherrschung beruflicher Situationen normalerweise nach etwa sechzig Stunden (dies entspricht vier Wochenenden bzw. zwei Intensivwochen) erreicht.


Jeder lernt von jedem.


Aufgrund der eingesetzten Verfahren ermöglicht die PDL eine größere Heterogenität in der Zusammensetzung der Gruppe, als dies im konventionellen Unterricht möglich ist.


Die Grundorientierung der Psychodramaturgie: Eine Pädagogik des Seins


"Ich gehöre dieser Oppositionspartei,
die man das Leben nennt."
Honoré de Balzac


Die Psychodramaturgie Linguistique ist Teil einer Pädagogik des Seins, d.h. einer Pädagogik, die teilnehmer- und gruppenorientiert und damit subjektbezogen und prozessgerichtet ist. Sie stellt eine Pädagogik des Weges dar.
Somit unterscheidet sich die Psychodramaturgie in ihren Verfahren und in dem Umgang mit Teilnehmern grundlegend von einer Pädagogik des Habens, die auf das Vermitteln von Inhalten und auf das Erreichen von Zielen fokussiert ist, die in Abwesenheit der Gruppe festgelegt werden. Das Lehrwerk führt nicht nur zu einer Fremdbestimmung eines Großteils der sprachlichen Inhalte, sondern es prägt auch stark den Unterrichtsverlauf, die Kommunikations- und die Beziehungsformen im Unterricht.


Das Haben wird dem Sein untergeordnet.


Die folgende Tabelle stellt schematisch die konzeptionellen Unterschiede zwischen einer Pädagogik des Habens (konventioneller Unterricht), die auf die Vermittlung eines Wissens gerichtet ist, und einer Pädagogik des Seins, die zum Erwerb einer Kenntnis führt, dar:


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Hinweis zum Schema


In der Psychodramaturgie wird das Haben dem Sein und das Wissen der Kenntnis der Sprache untergeordnet. Die Kenntnis der Sprache, d.h. die direkte Erfahrung der Sprache in Relation (Beziehung) und Situation, hat Vorrang. Sie wird durch das Wissen über die Sprache unterstützt und bereichert.


Eine Pädagogik, die Lernen und Leben als Einheit betrachtet


Lernen ist ein Lebensprozess,
Leben ein fortwährender Lernprozess.


Leben und Pädagogik werden nicht künstlich aus didaktischen Gründen getrennt, sie bilden vielmehr eine Einheit. Die Pädagogik übt nicht nur die Beherrschung von Situationen in der Zukunft ein, sondern sie ist auch direkt Teil des Lebens der Teilnehmer und der Gruppe in der Gegenwart. Sie bereitet nicht nur auf ein potentielles Leben vor, sie ist Leben. Dieses Leben drückt sich direkt oder symbolisch auf einer realen oder imaginären Ebene aus.


Eine Pädagogik, die die zwei Ebenen des Erwerbs- und Lernprozesses berücksichtigt


Jedes pädagogische Handeln ist Teil des Lebens und beteiligt sich an der positiven oder negativen Gesamtentwicklung der Teilnehmer. Die Psychodramaturgie fördert nicht nur den Erwerb von sprachlichen und kulturellen Kenntnissen (Oberflächenziele), sondern auch die Entwicklung von Haltungen, Einstellungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten (Tiefenziele), die den Erwerb einer Fremdsprache erleichtern und zugleich zur Entwicklung des Individuums in seiner Gesamtheit beitragen.


Der Lernakt kann nicht vom Subjekt getrennt werden.


Der Erwerb der Fremdsprache trägt zum Individuationsprozess des Teilnehmers bei, der als Individuum in fortwährender Entwicklung, als Wesen im Werden betrachtet wird. Der Erwerbsprozess ermöglicht ihm über die angebotenen Übungen, er selbst in der Fremdsprache zu sein bzw. anders er selbst zu sein und damit seine Seinsmöglichkeiten zu erweitern. Er fördert die Entwicklung seiner Spontaneität und seiner Kreativität, ebenso wie zwei grundlegender Fähigkeiten, die zum Erwerb einer Fremdsprache unentbehrlich sind: die Aufnahmefähigkeit und die Ausdrucksfähigkeit. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten fördert nicht nur den Spracherwerb, sie nimmt an diesem Erwerb direkt teil.


Wir haben diese doppelte Dimension des Spracherwerbs im folgenden Schema zusammengefasst:


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Anmerkung zum Schema:


Der lehrwerkzentrierte Unterricht konzentriert sich vorwiegend auf sprachliche und interkulturelle Ziele (Oberflächenziele - siehe oberer Teil des Schemas), insbesondere auf die Vermittlung der Strukturen und der Lexik der Fremdsprache bzw. der (inter-)kulturellen Inhalte.

Um diese Ziele zu erreichen, setzt die Sprachpsychodramaturgie auf einer tieferen Ebene an. Sie ist insbesondere auf die Entwicklung der Einstellungen, Haltungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgerichtet, die den Spracherwerb fördern (Tiefenziele - siehe unterer Teil der Skizze) und bezieht so die Entwicklung des Individuums in seiner Gesamtheit in ihre Konzeption ein.

Indem diese Fähigkeiten durch Übungen entwickelt werden, die den Ausdruck der Teilnehmer und die Kommunikation unter den Grunppenmitgliedern fördern, erwerben die Teilnehmer zugleich die Sprache. Sie erreichen die sprachlichen Ziele umso besser, da die Sprache durch die Personen getragen wird, die sie anwenden wird. Das Haben (hier die sprachlichen und inter/kulturelle Ziele) wird desto besser integriert, dass es in Resonanz mit dem Sein ist.


Eine psychodramatische Pädagogik


J. L. Moreno, der Gründer des Psychodramas, hat u.a. in den dreißiger Jahren das Rollenspiel entwickelt. Sein Einfluss auf die Pädagogik ist also nicht neu, auch wenn die pädagogische Umsetzung des Rollenspieles oft zu einer Verarmung des morenoschen Rollenspiels geführt hat.

Die Psychodramaturgie Linguistique beruht auf Grundkonzepten des Psychodramas: Die Begegnung, die Handlung, das Spiel und die schöpferische Spontaneität.


no data Die Begegnung ist eines der Grundthemen von J.L. Moreno. Der Titel eines seiner ersten Werke heißt: Einladung zu einer Begegnung (Wien: Anzengruber Verlag, 1914). In der Psychodramaturgie wird die Begegnung durch Aktivitäten erleichtert, die die Sprache an erster Stelle als Mittel zur direkten Begegnung unter den Teilnehmern (und nicht, wie im konventionellen Unterricht, hauptsächlich Ziel des Unterrichts) angewendet wird. Aus diesem Grunde bezeichnen wir die Psychodramaturgie als eine Pädagogik der Begegnung.


no data „Drama" bedeutet in seiner etymologischen Bedeutung "Handlung" . Die Teilnehmer erwerben die Fremdsprache durch Kommunikation in Aktion und Relation (Beziehung). Statt vorwiegend "über" etwas (Personen, Fakten, Informationen oder die Sprache) zu sprechen, sprechen sie sich "an". Die Reflexion begleitet die Handlung bzw. entsteht aus der Handlung oder propft sich auf sie auf.


no data Mit dem Konzept des Handelns ist das Konzept des Spieles verbunden. Das Spiel besitzt insbesondere aufgrund der Einbeziehung des Imaginären eine Schutzfunktion und eine stimulierende Funktion. Es ermöglicht in einem geschützten Rahmen neue Haltungen und neue Verhaltensweisen anzunehmen oder neue Wege auszuprobieren.


no data Der Aufbau der PDL-Übungen beruht unter anderem auf der morenoschen Konzeption der schöpferischen Spontaneität (cf. Moreno J.L.: Die Grundlagen der Soziometrie. Köln, Westdeutscher Verlag: 1967, 11-18, 437-444). Aufwärmübungen bereiten auf Hauptübungen vor, fördern die Spontaneität, aktivieren die Kreativität und stimulieren den Ausdruckswunsch der Teilnehmer. Gerade in der Einstiegsphase bieten die Zwischenübungen eine Alternanz zu den Einzelübungen und tragen zugleich zu der Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten zum Erwerb einer Fremdsprache bei.


no data Der Leitungsstil der Gruppentrainerin ist auch durch die Funktion der Trainerin im morenoschen Psychodrama beeinflusst: die Trainerin hat eine strukturierende Funktion, sie schlägt eine Rahmenaktivität der Gruppe vor und passt sie je nach Verlauf der Gruppe an. Sie besitzt ebenso eine begleitende Funktion, indem sie die Teilnehmer in ihren Ausdruckswünschen unterstützt. Sie verbindet die Vertikalität der Leitungsfunktion mit der Horizontalität der Unterstützungs- und Begleitungsfunktion. Statt der hierarchischen Beziehung, die oft den traditionellen Unterricht prägt, entwickelt sie zu den Teilnehmern eine empathische Beziehung.


Eine dramaturgische Pädagogik


Einige dramaturgische Prinzipien werden bei der Auswahl der Situationen, Themen bzw. Texte ebenso wie beim Aufbau der Übungen berücksichtigt:


no data Das Prinzip der dramaturgischen Kräfte : Die Begegnung von antagonistischen, differenzierenden bzw. unterstützenden Kräften tragen zur Dynamik der Situation bei.


no data Das Resonanzprinzip: Die Situation und die Thematik sprechen die Teilnehmer an.


no data Die Berücksichtigung der mikro-makrokosmischen Beziehungen: Die Beziehungen zwischen der Welt der dargestellten Situation in der Gruppe und der Außenwelt wird in manchen Situationen dramaturgisch in Betracht gezogen.


no data Die Psychodramaturgie greift auch auf bestimmte dramaturgische Ausdrucksformen (Forumtheater, Standbilder....) zurück, die aus der Tradition des spontanen Theaters bzw. aus der Schauspielerausbildung stammen.


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Die Untergruppen in "Dopplerposition" unterstützen die vier Protagonisten, die parallel zwei Gespräche führen ("Verschiebungstechnik")


no data Der Einsatz von neutralen Maske während der ersten vier Tage. Ihr Gebrauch kommt/stammt aus der Schauspielerausbildung. Die Masken haben bei der PDL unter anderem eine schützende Funktion und sie fördern die Konzentration und die Wahrnehmung der Stimme der Trainerin und der eigenen Stimme.


no data Die Psychodramaturgie eröffnet einen Zwischenraum (siehe D. W. Winnicott (1985): Vom Spiel zur Kreativität. Stuttgart: Klett-Cotta), der symbolisch bedeutend für die Gruppe ist und den Teilnehmern ermöglicht, sich mit ihrer Realität und ihrer Imagination in der Verschiedenheit ihrer Persönlichkeit und in der Vielfalt ihrer Rollen zu begegnen. Dieser privilegierte Raum trägt zur Entwicklung des Imaginären bei und bietet zugleich den Teilnehmern einen Schutzraum.


Eine Pädagogik der Beziehung


Autonomie und Interdependenz.


Die Gruppenmitglieder werden als „Teilnehmer“ betrachtet, da sie einerseits an ihrem eigenen Erwerbsprozess teilnehmen, indem sie u.a. die Inhalte und den Verlauf der Handlung selbst bestimmen und da sie andererseits als Gruppenmitglieder an dem Gruppenleben teil-nehmen. Der Begriff Lerner oder Lernende wird nur in Zusammenhang mit dem konventionellen Unterricht von uns angewandt.
Durch den Unterrichtsprozess stehen die Teilnehmer in Beziehung zu sich selbst, zum anderen und zu den anderen, der Gruppe und zur Umwelt. Es geht nicht nur darum, zur Entwicklung ihrer Autonomie beizutragen, sondern auch ihren Sinn für Solidarität und Mitverantwortung zu entwickeln, d.h. die konstruktive Interdependenz jedes Individuums in einer Gruppe oder einer Gesellschaft berücksichtigen.


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Begegnung mit Unterstützung der Gruppe



Ein holistischer Ansatz


Die Psychodramaturgie wendet sich an den Teilnehmer auf einer physischen, affektiven, intellektuellen, sozialen und geistigen Ebene:


no data Der Körper wird in zahlreichen Übungen direkt beim Sprechen und beim Spracherwerb eingesetzt. Spezifische Bewegungen erleichtern die Wahrnehmung und die Produktion der charakteristischen Aussprache, Gedichte werden von Bewegungen begleitet, die bestimmte Aspekte der Fremdsprache hervorheben. Einige Aufwärmübungen fangen mit einer Körperhaltung bzw. mit Bewegungen an, bevor der verbale Ausdruck eingesetzt wird. Da die Kurse ohne Tische stattfinden, können die Teilnehmer ihre Distanz in der Gruppe selbst bestimmen. Auf diesem Weg wird auch dem Körper mehr Freiraum ermöglicht.


no data Die Affektivität : Da die Teilnehmer sich als Individuen mit ihren Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnungen ausdrücken, begleitet und stimuliert die Affektivität automatisch ihren Ausdruck.


no data Der Intellekt begleitet fortwährend die Beobachtung und den direkten Erwerb der sprachlichen Prozesse, er wird bewusst in den Reflexionsphasen angesprochen.


no data Die soziale Dimension wird ebenso einbezogen, da eine große Anzahl von Übungen das eigene Zuhören und das des Anderen ebenso wie die Empathie und die Solidarität fördern. Andere begünstigen die Zusammenarbeit in den Gruppen und die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer..


no data Die geistige Dimension : Durch die symbolische Bedeutung einiger Aktivitäten und die Einbeziehung der imaginären Welt werden bei den Teilnehmern und Trainerinnen ihre Weltanschauung, ihr Menschenbild, ihre Vorstellung des Lebens, ihre Kommunikations- und Beziehungsformen angesprochen.


Diese fünf Ebenen beeinflussen sich gegenseitig und stehen in einer Wechselbeziehung zueinander.


Ein individueller Erwerbsprozess in einer Gruppe


Wenn wir den Rhythmus der Teilnehmer respektieren,
kommen sie am besten voran.


Die Psychodramaturgie beruht auf einer Konzeption des Menschen als einzigartigem Wesen, das sich in einem fortwährenden dynamischen Entwicklungsprozess befindet.
Wenn jeder Mensch als einzigartig betrachtet wird, dann bedeutet dies, dass beim Erwerb einer Fremdsprache Verfahren eingesetzt werden müssen, bei denen jeder Teilnehmer seinem Weg und seinem eigenen Erwerbsrhythmus folgen kann. Dies bedeutet, dass keine Uniformisierung der Lernergebnisse erwartet wird.


Jeder ist seine eigene Referenz


Jeder Erwerbsprozess ist an erster Stelle ein individueller Prozess. Die Psychodramaturgie berücksichtigt diesen Aspekt, indem ihre Verfahren sich auf den unterschiedlichen Kenntnisstand und den persönlichen Lernrhythmus der Teilnehmer einstellen. Dadurch wird ihr Lernfortschritt individuell gefördert.


Die Psychodramaturgie ist zugleich gruppenorientiert. Nach der individuell ausgerichteten Arbeit der ersten vier Tage, bei der jeder Einzelne in die Fremdsprache eingeführt wird, folgt die PDL unter anderem einer relationellen Progression. Wir gehen vom Monolog zum Dialog über, es werden immer mehr Teilnehmer direkt in den Erwerbsprozess beteiligt. Die Protagonisten werden sowohl von der Trainerin als auch immer mehr von den anderen Gruppenmitgliedern unterstützt, so dass die PDL nicht nur die Autonomie, sondern auch die Interdependenz und Solidarität trainiert. Unterschiede im Kenntnisstand werden positiv genutzt.


Die methodologischen Grundlagen der Psychodramaturgie


Teilnehmer- und gruppenorientiert bedeutet konsequenterweise, dass kein Lehrwerk mit fremdbestimmten Inhalten und einer festgelegten inhaltlichen Progression eingesetzt wird. In der Einstiegphase entsteht die Sprache in der Gruppe. In weiteren Phasen wird das Leben der Gruppe in der Zusammensetzung der Übungen und in der Auswahl der Themen und Texte berücksichtigt. Die Teilnehmer werden auf der realen und imaginären Ebene angesprochen, ohne dass in ihre persönliche Sphäre eingedrungen wird (Das Imaginäre bietet nicht nur eine stimulierende sonder auch eine Schutzfunktion an).


Jeder Teilnehmer wird zum Architekten seiner Sprache.


Die Trainerin bietet den Teilnehmern einen offenen Handlungsrahmen, der ihren Ausdruckswunsch stimuliert. Ab dem zweiten Tag eines Intensivkurses bestimmen die Teilnehmer die Inhalte ihrer Aussagen selbst. Ausgefeilte Verfahren ermöglichen ihnen, sich sprachlich immer kompetenter auszudrücken.


Das Ihnen fehlende Sprachmaterial wird durch die Trainerin, bzw. in einem fortgeschrittenen Stadium durch die anderen Teilnehmer anhand spezifischer Verfahren (Doppeln, Aufladungstechniken) ergänzt. Sie erwerben unmittelbar die Fremdsprache, indem sie miteinander kommunizieren. Es entsteht ein direkter Kontakt zu dieser Sprache, so dass eine Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Ausdrucksabsicht und Aussagen entsteht, was den Verstehens- und den Spracherwerbsprozess fördert. Diese Übereinstimmung zwischen den Sprechern und ihren Aussagen erleichtert den Erwerb der Fremdsprache und erhöht die Lernmotivation der Teilnehmer.


Die folgende Tabelle illustriert die verschiedenen Etappen einer pädagogischen Einheit:


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Ausgehend von einer Rahmenaktivität (1) oder einem Dokument, die der Gruppe einen Ausdrucksrahmen gibt und ihren Ausdruckswunsch stimuliert, drücken sich die Teilnehmer in einer ersten Ausdrucksphase (2) mehr oder weniger geschickt aus, in der sie durch die Trainerin unterstützt werden.

In einer Aufladungsphase (3) bietet ihnen die Trainerin eine Verstärkung, eine Erweiterung und gegebenenfalls eine sprachliche Korrektur der ursprünglichen Sequenz an.

Wiederaufnahmephasen (4) ermöglichen einen Wiedergebrauch und eine Erweiterung der neuerschienenen sprachlichen Mittel, was ihre Integration fördert. Diese Wiederaufnahmetechniken stimulieren außerdem die Imagination der Teilnehmer, da sie zugleich eine Aufwärmungsdynamik besitzen.

Eine Reflexionsphase (5) findet statt, wenn die Teilnehmer Fragen zu Korrekturen haben oder wenn die Trainerin eine Erklärung für ökonomisch oder nützlich hält.


Die Einheit zwischen Sprecher und Sprache


Im konventionellen Unterricht erfahren die Teilnehmer eine doppelte Verfremdung: Es sind nicht ihre Wörter, da die Fremdsprache nicht ihre Muttersprache ist (erste Verfremdung) und es sind nicht ihre Worte, denn sie sollen über Inhalte sprechen, die sie nicht unbedingt ansprechen bzw. die nicht ihren Ausdruckswünschen und Bedürfnissen entsprechen (zweite Verfremdung). Diese doppelte Verfremdung erschwert eine echte Kommunikation zwischen den Teilnehmern, reduziert ihr Interesse, ihre Aufnahmebereitschaft und ihre Motivation, schränkt die Konzentration und das Behalten der Lerninhalte ein, und bremst den Lern- und Erwerbsprozess insgesamt.


An erster Stelle eine positive Beziehung zur Fremdsprache erstellen.


Die Psychodramaturgie reduziert die erste Verfremdung, indem von Beginn an eine Sensibilisierung der Teilnehmer für die prosodischen und lautlichen Eigenarten der Fremdsprache stattfindet. Die Aussprache ist einer der Grundfaktoren, die die Fremdheit einer Fremdsprache ausmachen.
Durch spezifische Verfahren, die die Wahrnehmung und Reproduktion der Eigenarten der fremden Aussprache erleichtern, wird die Fremdsprache vertrauter und kann somit leichter erworben werden. Die PDL versucht außerdem eine positive Beziehung zur Fremdsprache herzustellen, um ihren Zugang angenehmer zu machen und damit ihren Fremdheitscharakter zu reduzieren.


Wenn es ihre Worte sind, dann kann es ihre Sprache werden.


Die Psychodramaturgie hebt die zweite Verfremdung auf, da die sprachlichen Inhalte direkt in der Gruppe und aus der Gruppe entstehen. Sie entspringen aus den Ausdrucksbedürfnissen der Teilnehmer in der von ihnen mitgestalteten Kommunikationssituation. Die Teilnehmer nehmen in der Gruppe direkt am Entstehungsprozess der Sprache teil, dadurch sind sie Co-Autoren der Sprache, die im Kurs eingeführt wird. Sie bekommen auf diesem Wege die Mitverantwortung für die Inhalte und für ihren Spracherwerb.


Die Herstellung einer Atmosphäre des Vertrauens


Verschiedene Komponenten tragen in der Psychodramaturgie zur Schaffung einer Atmosphäre bei, die den Erwerbsprozess fördert, die Sprachbarrieren und Sprechhemmungen reduziert oder abbaut, und das Sich-Zutrauen und die Lust bei den Teilnehmern steigert, sich in der Fremdsprache auszudrücken:


Die Anerkennung des persönlichen Erwerbsrhythmus:


Die Psychodramaturgie erkennt an, dass jeder sich in seinem Rhythmus seinen Weg in die Fremdsprache bahnt und sich die notwendigen sprachlichen Mittel aneignet. Es bedeutet auch, dass es in der PDL keinen Lernzwang gibt.


Die Einladung zum Irrtum


Im konventionellen Unterricht führt die Angst vor Fehlern bei einigen Teilnehmern dazu, sich in einem "grammatikalisch fehlerfreien Schweigen" auszudrücken.

In der Psychodramaturgie betrachten die Trainer den Irrtum als unvermeidlich (es gibt keinen Lernprozess ohne Irrtum) und als unentbehrlich beim Erwerbsprozess (die Auseinandersetzung mit dem Irrtum fördert die Erkundung der Grenzen der Sprache). Dies trägt dazu bei,die Angst bei Teilnehmern zu reduzieren, die befürchten, sich zu blamieren, wenn sie sich irren.

Die Teilnehmer werden eingeladen, Risiken einzugehen, um ihre Kenntnisse in der Fremdsprache zu erweitern.


Entspannungs- und Atemübungen


fördern die Rezeptivität der Teilnehmer, steigern ihre Konzentration und schaffen oft eine Atmosphäre der entspannten Aufmerksamkeit.


Übungen zur Förderung der Rezeptivität und der Ausdrucksfähigkeit


fördern den Kontakt unter den Teilnehmern und tragen zu der Entwicklung einer angenehmen Stimmung in der Gruppe bei.


Verfahren, die Präzision und Flexibilität verbinden


Folgen statt vorauszugehen.


Die Progression beruht beim Einstieg in die Fremdsprache vorwiegend auf relationellen Kriterien. Sie wird unterstützt durch genau aufeinander abgestimmte Übungen, die eine kohärente Gesamtheit bilden. Jede Hauptübung wird durch eine Aufwärmübung vorbereitet. Zwischenübungen sorgen für einen Wechsel zwischen Einzel- bzw. Zweier- und Gruppenarbeit und tragen zur Vertiefung von Kompetenzen bei, die für den Erwerb einer Fremdsprache notwendig sind.


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Von der Zweierbegegnung mit Unterstützung der Trainerin ("Gespiegeltes Doppeln")





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Zur Zweierbegegnung der Gesamtgruppe("Begegnung in Dyaden")


Durch die Technik der Sequenz werden die notwendigen sprachlichen Mittel ad hoc vermittelt, sie folgen dem Ausdruckswunsch der Teilnehmer. Durch den fortschreitenden spiralförmigen Verlauf der Sequenz und durch die Neuaufnahme der Situation mit der Veränderung eines ihres Parameters (Wiederaufnahmeverfahren) wird ein vielfältiger und abwechslungsreicher Gebrauch der neuen sprachlichen Inhalte gefördert. Zudem wird dadurch Ihre Beherrschung erleichtert. Diese Verfahren fördern außerdem vom Anfang an einen flexiblen Umgang mit der Fremdsprache.


Die Aussprache


In Kontakt mit einer fremden Sprache zu kommen
bedeutet zuerst in Kontakt mit einem fremden Rhythmus zu kommen.


Beim Einstieg in die Fremdsprache werden die Teilnehmer für die Wichtigkeit der Aussprache sensibilisiert. Präzise Verfahren führen in die Besonderheiten des Rhythmus, der Melodie und der Artikulation der Fremdsprache ein. Bestimmte Übungen und Techniken, unter anderem das Doppeln und der Spiegel, ermöglichen eine präzise Wahrnehmung der Eigenarten der Fremdsprache. Gezielte Bewegungen erleichtern die Wahrnehmung und die Reproduktion der spezifischen aussprachlichen Merkmale der Fremdsprache. Gedichte heben rhythmische, melodische und segmentale (lautliche) Merkmale dieser Sprache hervor. Die verbo-tonale Methode bildet eine der Hauptgrundlagen zur Korrektur der Aussprache (siehe Bibliografie Dufeu, 1976, 1986, 1990, 2001, 2003: 267-316).

Diese Verfahren werden auch im Unterricht mit fortgeschrittenen Teilnehmern eingesetzt, die nicht oder nicht ausreichend korrigiert worden sind. Die Fremdsprache verliert dadurch einen Teil ihres Fremdheitscharakters. Sie wird den Teilnehmern vertrauter und sie können sie somit leichter integrieren.


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Laufen auf dem Rhythmus eines Satzes in der Fremdsprache



Die Lexik


Während sich die Teilnehmer in den ersten Tagen mit Hilfe der Techniken des Doppelns und des Spiegelns mit der Aussprache der Zielsprache vertraut machen, bilden sie zugleich einen „Sprachkern“. Von diesem können sie in den weiteren Übungen ausgehen, um sich in der neuen Sprache auszudrücken zu können. Die Sprache wird in Situationen erworben, die sie ansprechen. Durch die Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Sprechern und Ausdruckswünschen, zwischen Situation und Anwendung der Sprache wird der Erwerb der Sprache erleichtert und die Motivation der Teilnehmer angeregt.


Der Zugang zur Bedeutung


Der Zugang zur Bedeutung der unbekannten sprachlichen Aussagen wird durch die große Adäquatheit zwischen den Sprechern und ihren Aussagen, ebenso wie zwischen den Aussagen und der Situation erleichtert. Es besteht außerdem eine Umkehrung der Verstehensaufforderung: da die Teilnehmer die Initiatoren ihrer Aussagen sind, liegt es an der Trainerin, zu verstehen, was sie ausdrücken möchten und ihnen das sprachliche Material zu liefern, das sie benötigen. Der Verstehensprozess wird auch durch den Aufbau der verbalen Sequenz in der PDL erleichtert, wenn die Trainerin ausgehend vom mehr oder weniger dürftigen oder elaborierten Aussagen der Teilnehmer ausgeht, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.


Der Sinn kommt manchmal über die Sinne.


Der denotative Sinn der Aussagen wird außerdem über die Wahrnehmung der Bedeutung (die konnotativen Werte der Botschaft) vermittelt. Dies bedeutet, dass die Teilnehmer nicht nur auf das "was", sondern auch auf das "wie" der Botschaft, das in relevanter Weise ihre Bedeutung modifizieren kann, aufmerksam werden. Dazu muss im Erwerbs- und Lernprozess eine Sensibilisierung zu anderen Wahrnehmungsmodi der Fremdsprache entwickelt werden.


Der Behaltensprozess


Die enge Beziehung zwischen dem Sprecher und seinen Aussagen fördert das Behalten der neuen Sprachmittel. Diese wird außerdem durch den Aufbau der Sequenz, die das neue Sprachmaterial erneut anwendet und erweitert, durch die Aufladetechniken (siehe oben Etappe 3 des Schemas Vermittlungsprozess), durch die Wiederaufnahmetechniken (siehe oben Etappe 4 des gleichen Schemas ), die ermöglichen, die gleiche Situation mit der Veränderung eines Parameters noch einmal aufzunehmen, gefördert.


Die Entdeckung der Strukturen der Fremdsprache


Die Grammatik wird nicht von der Sprache getrennt.


Wenn ein Teilnehmer einen Irrtum macht, dann wird ihm die korrekte Fassung angeboten. Je nach sprachlicher Reife wird er diese Korrektur annehmen und integrieren oder er wird mehrere Male die gleiche Korrektur brauchen, um die richtige Form zu beherrschen.

Die Entdeckung der Sprachregelmäßigkeiten entwickelt sich auf der kognitiven Ebene teilweise über unbewusste Prozesse, teilweise über bewusste Prozesse der Analyse und der Deduktion, die jeder Teilnehmer individuell beim Erwerb der Fremdsprache mit nachvollziehen kann. Die grammatikalische Gruppenreflexion entsteht aufgrund der Probleme und der Fragen der Teilnehmer, wenn sie bestimmte Korrekturen nicht verstanden haben. Sie kann aber ebenso auf Eigeninitiative der Trainerin erfolgen, wenn diese meint, dass eine grammatikalische Erklärung ökonomisch und notwendig für die Gruppe sein kann. Die grammatikalische Reflexion steht in einer Outputposition und nicht in einer Inputposition, d.h. die Grammatik wird nicht vorprogrammiert, sondern sie entsteht aus dem Gebrauch der Fremdsprache heraus. Der bewusste Lernprozess baut sich auf den Erwerbsprozess auf. Die Reflexion pfropft sich auf die Erfahrung der Sprache auf

Dieser Ansatz plant nicht die Lösung von möglichen Problemen im Voraus, sondern folgt den Bedürfnissen der Gruppe. Auch hier gilt ein Grundprinzip der Psychodramaturgie: Folgen statt voraus zu gehen. Der Zugang zur Grammatik ist hier ebenfalls teilnehmer- und gruppenorientiert, er geht nicht von einem Gesamtwissen der Grammatik aus. So weit es möglich ist, werden die Regelmäßigkeiten der Sprache aufgrund der schon ähnlichen begegneten sprachlichen Phänomene von der Gruppe selbst entdeckt. Wenn notwendig wird dazu meistens die „Konzeptualisationstechnik“ angewendet, die H. Besse Anfang der siebziger Jahre entwickelte (cf. u. a. H. Besse : „Les exercices de conceptualisation ou la réflexion grammaticale au niveau 2.“ In Voix et Images du Crédif 1974/2, 38-44). Dieses Verfahren ermöglicht vom Kenntnisstand und von den Bedürfnissen der Gruppe auszugehen und eine Formulierung der Regel in einer von der Gruppe selbst konzipierten Ausdrucksweise aufzustellen. Die Trainerin hat dabei eine strukturierende Funktion und eine orientierungsgebende Funktion. Sie liefert auch anschließend die Metasprache, so dass die Teilnehmer später die Fachbegriffe in anderen Kontexten verstehen. Bei komplizierten syntaktischen Phänomenen gibt sie direkt die grammatikalische Erklärung (z.B. beim Gebrauch der Zeiten der Vergangenheit oder des Subjonctif im Französischen) vor. Diese Erklärungen beruhen auf der Konzeption einer intentionellen Grammatik (siehe Dufeu, 1982, 1993 a, 1993 b)


Die Einstellung zum Irrtum:


Irrtümer werden als unvermeidliches Entwicklungsphänomen beim Erwerb einer Fremdsprache betrachtet. Wir sprechen aus diesem Grunde von Irrtümern und nicht von Fehlern, da dieser Begriff mit Schuldzuweisung verbunden ist. Der Versuch, Irrtümer vermeiden wollen, hemmt nicht nur den Ausdruck der Teilnehmer, sondern bremst zusätzlich den Spracherwerb.

Irrtümer gehören nicht nur zum Erwerbsprozess, sondern sie fördern ihn: Sie ermöglichen die Erkundung der Strukturen und der Grenzen der Fremdsprache. Das bedeutet nicht, dass in der Psychodramaturgie eine Laissez-faire Haltung dem Irrtum gegenüber eingenommen wird. Es wird davon ausgegangen, dass um so korrekter gesprochen wird, desto besser und nuancierter kommuniziert werden kann.



Die Akzeptanz der kulturellen Unterschiede


Eine Pädagogik der Differenz.


Viele PDL-Übungen fördern die Entwicklung des Zuhörens und der Beobachtung, welche zum Verständnis des "anderen" in seiner Andersartigkeit beitragen. Psychodramaturgische Verfahren ermöglichen außerdem einige kulturelle Eigenarten des fremden Landes von innen zu erleben und damit tiefer zu begreifen. Ein besonderer Zugang zu Texten, die spezifische Aspekte der fremden Kultur hervorheben, tragen ebenfalls zu einer Erweiterung bzw. einer Vertiefung der Kenntnis, bzw. des Wissens über die fremde Kultur bei.


Die Einführung der Schrift


Die Schrift wird progressiv eingeführt. In den ersten Tagen wird dem mündlichen Ausdruck der Vorrang gegeben. Erst ab Ende des zweiten Tages werden die ersten schriftlichen Transkriptionen eingesetzt. Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, Hypothesen über die schriftliche Transkription von Aussagen zu erstellen, die in dem Kurs entstanden sind, und die sie in der Fremdsprache schreiben möchten. Ihre Hypothesen werden dann mit der richtigen Fassung verglichen, Gesetzmäßigkeiten der Schrift in der Fremdsprache werden dabei entdeckt und erörtert. Diese Aussagen werden dann, wenn dies möglich ist, in ihren ursprünglichen Kontext eingebettet. Während der ersten Woche eines Intensivkurses für Anfänger stehen die Übungen in direkter Verbindung zu der in der Gruppe entstandenen Sprache. Allmählich werden mündliche und schriftliche Übungen immer mehr miteinander verknüpft, wobei die schriftlichen Übungen in Einklang mit ihrer Funktion und ihrem Gebrauch in der schriftlichen Sprache eingesetzt werden.

Texte werden auch als Auslöser verwendet, sie fördern dannn den Ausdruckswunsche der Teilnehmer. Sie werden meistens nach dramaturgischen, gruppendynamischen bzw. thematischen Kriterien ausgesucht. Sie dienen ferner dazu, die Kenntnis der schriftlichen Sprache, der Fremdsprache im Allgemeinen und ihrer Kultur zu erweitern.


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Welche Vorteile bietet die Psychodramaturgie?


Da wir seit mehr als dreißig Jahren mit der Psychodramaturgie arbeiten, halten wir es für nützlich, einige Vorteile dieses Ansatzes hervorzuheben, die unsere pädagogische Wahl bestimmt haben:


no data Die Teilnehmer können sich die Fremdsprache besser aneignen, da sie erlebt wird (statt vorwiegend gelernt zu werden) und da sie ihren Bedürfnissen, Wünschen, Interessen, Gedanken und Ausdruckserwartungen entspricht. Sie nehmen direkt am Entstehungsprozess der Sprache in der Gruppe teil, was ihre Beziehung zur Fremdsprache verstärkt.


no data Die Fremdsprache wird personalisiert und lebendiger, da sie als Mittel zum Ausdruck, zur Kommunikation und zur Beziehung unter den Teilnehmern angewendet wird (statt vorwiegend Ziel des Unterrichts zu sein). Ihr Gebrauch gewinnt somit an Authentizität.


no data Die Einheit zwischen den Sprechern und ihren Aussagen erhöht das Interesse der Teilnehmer an dem, was in der Gruppe ausgetauscht wird. Das gegenseitige Zuhören (wir hören besser zu, wenn wir nicht wissen, was kommt), das Behalten (wir behalten besser, was uns anspricht), und die Motivation (die Lust, die Fremdsprache besser zu beherrschen, wächst) erhöhen sich. Die zweite Verfremdung (siehe oben) wird zugleich reduziert bzw. aufgehoben.


no data Da die Sprache den Ausdruckserwartungen der Teilnehmer entspricht, werden die neuen Sprachkenntnisse besser behalten und integriert.


no data Die Aktivitäten wecken ein doppeltes Interesse und zwar nicht nur ein Interesse an dem Erlernen der Sprache, sondern auch ein persönliches Interesse, was die Motivation erhöht.


no data Der Ausdruckswunsch der Teilnehmer wird durch die eingesetzten Aktivitäten stimuliert, was zur Dynamik der Gruppe beiträgt.


no data Bestimmte Einstellungen, Haltungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die zum Erwerb und zum Lernen einer Fremdsprache notwendig sind, werden durch spezifische Übungen weiter entwickelt. Der Erwerbsprozess wird dadurch erleichtert.


no data Die Spontaneität und Kreativität der Teilnehmer wird verstärkt. Sie lernen die Fremdsprache flexibel anzuwenden und entwickeln oft einen spielerischen Kontakt mit ihr.


no data Die Kommunikationsfähigkeiten der Teilnehmer werden durch die Vielfalt der eingesetzten Verfahren verstärkt.


no data Die Techniken der verbalen Sequenz, der Aufladung und der Wiederaufnahme fördern einen vielfältigen Umgang mit der Sprache und die Flüssigkeit beim Sprechen.


no data Die Sensibilisierung der Teilnehmer für die prosodischen und lautlichen Eigenarten der Fremdsprache führt zu einer "Ent-fremdung" dieser Sprache. Die Sprechhemmungen werden reduziert und die Kommunikation wird erleichtert. Die Teilnehmer können in Resonanz mit der Sprache treten und sie dadurch auf lebendige Weise erfassen. Die erste Verfremdung (siehe oben) wird reduziert.


no data Eine große Anzahl der PDL-Übungen führen zu einer positiven Beziehung zur Sprache, was die Lernbarrieren reduziert. Die Teilnehmer können Genuss und Lust empfinden, diese Sprache zu sprechen und sich in der Sprache zu Hause fühlen.


no data Das Selbstvertrauen der Teilnehmer und ihre Risikobereitschaft, sich in die Fremdsprache hineinzuwagen, wachsen aufgrund der Atmosphäre, die in den Kursen herrscht, aufgrund der empathischen Beziehung, die die Trainerin mit ihnen herstellt, ihrer begleitenden Unterstützungsfunktion, ihrer Haltung dem Irrtum gegenüber, des Respekts des eigenen Rhythmus jedes Teilnehmers und aufgrund des Kooperationsgeistes, der sich in den Gruppen entwickelt.


no data Eine aufmerksame Beziehung entwickelt sich im Allgemeinen unter den Teilnehmern, denn sie können sich über die Fremdsprache begegnen. Zudem ermöglichen die Aktivitäten, die das Imaginäre einbeziehen, andere Kontaktformen untereinander zu entwickeln.


no data Da die Sprache durch eigenen Ausdruck und direkte Kommunikation erworben wird, wird ihr Gebrauch außerhalb des Klassenzimmers erleichtert, denn es gibt eine gewisse Übereinstimmung zwischen ihrer Anwendung bzw. ihrer Funktion beim Erwerbsprozess und außerhalb. Es entsteht, was in den Neurowissenschaften als Kontexteffekt bezeichnet wird.





Ein Fremdsprachenansatz in ständiger Entwicklung


"Work in progress."
James Joyce


In Einklang mit den theoretischen Grundlagen der Psychodramaturgie werden fortwährend neue Übungen entwickelt, neue Verfahren entdeckt und neue Erkenntnisse gewonnen. Die Ausbildung von TrainerInnen wird ständig verbessert, um den Ansprüchen der Praxis zu entsprechen. Die Anwendungsfelder der PDL erweitern sich dank des Engagements einiger TrainerInnen. Ursprünglich für Erwachsene konzipiert, wird sie jetzt mit Jugendlichen und mit Kindern angewandt. Sie war für Gruppen entwickelt worden und sie wird immer mehr im Einzelunterricht (Monodramaturgie) eingesetzt.

Nach einer langen Phase der Entwicklung findet die PDL immer mehr Resonanz und wird in verschiedenen europäischen Ländern, bspw. Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz... verwendet, wo sie sich mehr und mehr verbreitet.

PDL-Trainer haben 2007 haben einen PDL-Verband gegründet, der sich um die Verbreitung der Psychodramaturgie kümmert und über die Ausbildungen zur PDL-TrainerIn und Kurse mit der PDL informiert. In November 2008 organisierte der Verband den ersten PDL-Kongress in Mainz.

Die Psychodramaturgie Linguistique ist zugleich eine fortwährende Herausforderung, denn sie bietet ein großes Potential an Entfaltungsmöglichkeiten und sie ist zugleich eine kontinuierliche Einladung die anderen Ufer der Pädagogik zu erkunden.


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Weitere Hinweise zu den Grundlagen der PDL finden Sie auf dieser Homepage:




Um die Praxis der PDL besser zu verstehen, verweisen wir auf die Beschreibung einiger Etappen eines Sprachkurses unter



Für eine Vertiefung der Grundlagen und der Praxis der PDL empfehlen wir das Referenzbuch der Psychodramaturgie :





© Dufeu Bernard, 2001
Letzte Veränderung : 22.05.2011